Mittwoch, 21. Oktober 2009

Weiße Weste und schwarze Schaafe

Herr Wallraff hat sich kürzlich wieder einmal zurück in die Medien gemogelt. Nein, diesmal nicht in Verkleidung, wie bei der Bild, sondern weil er einen neuen Film und ein dazugehöriges Buch promoten will. Da hat er sich verkleidet.
Nun kann man dem Mann viel vorwerfen: Er mache das nur seines Egos und des Geldes wegen; er würde vorsätzlich provozieren um eine Art Situationskomik bzw. -Tragik zu erzeugen und mehr. Nun muss ich allerdings mal eine Lanze für den Herrn brechen. Wer würde schon mit ihm tauschen  wollen? Wer geht denn zwei Jahre freiwillig in die Zeitarbeit und macht den Dreck unter anderer Leuten Füßen weg? Oder wer kettet sich freiwillig fest um dann von der Staatsmacht (der Griechischen) abgeführt und misshandelt zu werden, gegen die man damit protestieren wollte? Keiner! - Außer ihm.

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Nun hat Wilfried Schmickler natürlich nicht ganz Unrecht, wenn er kabarettiert, wen es denn wundere dass ein Schwarzer keinen Campingplatz im Teuteburger Wald bekäme und dass weder bei Bootstouren mit Spießergesellen noch in Fußballfanpulks nach einem Bundesliga Spiel er Ruhe habe. Im Gegenteil, er müsse sich Pöbeleien abfinden und um sein leibliches Wohl fürchten. Wen wundert das? Sind es doch ur-deutsche Bereiche, die er da mit seiner Karnevalsmaskerade auf den Pelz rückt. 
Tut mir leid, aber da muss ich Herrn Schmickler (den ich in seinem Fach sehr schätze) in die Bande fahren und für Herrn Wallraff eine Lanze brechen. Glaubt der Mann vom WDR wirklich, dass Jamaikaner den ganzen Tag zugedröhnt in der Bude hocken und sich bei Bob Marly die Rasterlocken machen lassen?? Ich glaube eher nicht. Auch denen muss es doch gestattet sein, sich eine Parzelle in einem Schrebergartenverein zu pachten oder nach einer Überstunde unverschuldet mit Fußballfans in einem Zugabteil zu landen. Natürlich, jene Menschen meiden diese Art von kultureller Begegnung, dass nennt sich Ausweichverhalten und lässt sich besonders gut bei manchen Transsexuellen beobachten, die aus Angst vorm Outing keine Ausweise mit sich führen. Aber sie deswegen gleich auszuschließen, ist sträflich! 

Wallraff selbst schildert im ZDF Nachtjournal vom 20. auf den 21.10.2009, dass er außer der Hautfarbe nichts geändert habe. Er war also im Prinzip, ein Deutscher, der das, was er als deutscher eben so tut, einfach mal mit anderer Hautfarbe gemacht hat. Und anstelle von Unterstützung und Kameradschaft (sehr schön zu sehen, als er einen Jagdschein beantragen will - werben die Jagdvereine nicht mit kumpelhafter Atmosphäre und einer gewissen Gemütlichkeit?) weht ihn ein eiskalter Wind entgegen. Auf der Straße wird er beschimpft und er ist auf Hilfe von der Polizei angewiesen. 
Er zeigt es ganz deutlich: in Deutschland wird mit zweierlei Maß gemessen. Wo leben wir hier eigentlich, dass wir uns das leisten können? 

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Statt also etwas gegen offensichtlichen Rassismus zu unternehmen, wird in Deutschland über Sprachkurse und Integration debattiert. Sprich: Wir zerbrechen uns den Kopf darüber, wie wir die, die uns ausweichen, weil sie unterdrückt werden, in eine Richtung schieben, damit alles wieder ebenmäßig aussieht. Da wundert es mich, dass es die "braunen Parteien" nicht in den Bundestag geschafft haben. Statt dessen haben es Schwarz-Gelb in die Regierung gebracht - die sind zwar auch (Mitte-)Rechts, aber haben oberflächlich nichts gegen Ausländer. Im Lichte der neuen Regierungsbildung, ist also die Frage erlaubt, ob es also ein Fehler war, nicht doch die SPD, Grüne oder Linke zu wählen. Zu Erinnerung: Die Rot-Grüne Regierung - deren Angehörige derzeit als Parteien im "Linken Spektrum" die Oppositionsbank drücken - haben noch nie was für die "Integrationspolitik" gemacht. Integrationsministerium, Aufbau von Kommunikation zwischen und innerhalb der Minderheitengruppen/Subgemeinschaften und diverse Initiativen kamen alle von bürgerlich geführten Regierungen. Was allerdings auch nicht heißt, dass es genügt.
So oder so, es muss etwas geschehen. Und wenn man Wallraff glauben kann, dann ist das weniger politisch, sondern eher gesellschaftlicher Natur. DU bist gefragt!