Montag, 29. September 2008

Brit = (bunt & anders)

Habt ihr schon mal Steckdosen, mit drei Pins und Schalter gesehen? Ich meine nicht am Computer, sondern an der Wand. - Ja! Genau!! Die ganz ordinäre Steckdose, wo der Strom für Kaffeemaschine, Nachtlicht und meinen Rechner raus kommt, hat drei Pins und einen An/Aus-Schalter. Aber damit nicht genug! Auch meine Heizung ist so bestückt und in der Küche hat jedes größere Gerät einen zweiten Schutzschalter (!!) an einem separaten Pennel, welches sich vorzugsweise beim Herd befindet und dessen Schalter einzeln akribisch beschriftet sind. Wow!

An alle Elektriker da draußen, die jetzt wahrscheinlich schon lachen oder zumindest die Nase rümpfen, es geht noch besser: in jedem Stecker ist eine Schmelzsicherung eingebaut (bei drei Pins sind die Stecker so riesig, dass das geht).

Bei Neukauf eines jeden Geräts muss man deshalb vor Gebrauch zwei Dinge tun.

  1. Man entfernt die Schutzkappe von den dicken drei Pins.
  2. Man bemerkt die darunterbefindliche Skitze des Innenlebens dieses Steckers.

An diesem Punkt habe ich mich gefragt was das soll. Denn in einem Anfall von unbegründeter Besorgnis, glaubte ich, es könne doch möglich sein, dass wenn das Drecksding tatsächlich durchbrennt, es so heiß wird, dass der Zettel in Rauch aufgeht und dabei die umliegende Gebäudestruktur gleich mitnimmt. Also ist es wohl ratsam den kleinen Zettel einfach wegzuschmeißen. Andererseits sollte er zur Hand sein, falls es doch mal dazu kommt, dass die Sicherung durchbrennt und man sie auswechseln muss. Sprich: wo sind die Schrauben, die ich anfassen darf, welcher Draht, hat für welchen Pin, welche Farbe und was in dem Kasten ist die Sicherung und wie mache ich den ganzen Kram wieder zu???? ;)

Ganz davon abgesehen, (Achtung: männlicher Standardspruch!) dass das so schwer ja nicht sein kann, fällt mir noch was auf: Wenn bei uns - in good old Germany - jemand versucht was aufzuschrauben, dann erlischt sofort die Garantie und wenn danach was passiert (z.B. Brandschäden an Haus und Inventar) dann zahlt keine (deutsche) Versicherung der Welt mehr.


Ein weiteres technisches Wunderwerk, sind die hier Fußgängerampeln. Zum einen schalten sie langsamer: Wenn man's Knöpfchen drückt, dann können schon mal locker ein bis zwei Minütchen vergehen, bis es grün leuchtet. Doch es leuchtet nicht nur nicht vor einem - quasi direkt ins Gesicht - sondern ganz diskret neben einem. Was erst nicht so schlecht klingt, ist leicht blöd, denn der deperte Deutsche glotzt natürlich auf das sich bewegende Umfeld, nicht auf die schlecht ausgeleuchtete Ampelanlage direkt neben ihm. Was er vor allem dann tut, wenn die Funzel in ca. 185cm Höhe angebracht ist, er selbst aber einer der wenigen Abgebrochenen von läppischen 168 cm ist.

Auch wenn Autofahrer auf englischen Straßen nahezu freie Bahn haben ist es leicht doof, wenn man eine von sechsspurige normale Straße überqueren will, wie es sie bei mir vor der Haustür gibt. Diese meine Lieblingsampelanlage, teilt die von acht auf sechs Spuren verjüngte Fahrbahn in drei Abschnitte (das ist in England so üblich), die dank einer nicht vorhandener "Grünen Welle" (auch üblich) einzeln im Zick-Zack-Kurs (die Inseln sind so üblicherweiße angelegt) abgegangen werden müssen. Das kann locker fünf Minuten dauern, bis man auf der anderen Seite ankommt und seinen Bus verpasst. Das habe ich nur einmal gemacht. Inzwischen habe ich die britische Routine erst den Knopf zu drücken und dann trotz rot über die Straße zu gehen. Warum ich trotzdem den Knopf drücke? Naja, das ist dann nicht für mich, sondern für die Frau mit fünf Kindern, die nach mir kommt. Aber glaubt ihr, dass außer mir das sonst jemand schockt? Ehrlich gesagt nutzt NIEMAND die Ampeln.

Statt dessen neigen die Briten tatsächlich dazu erschreckend gerade und geduldig einzelne Schlangen zu bilden. Eine einzige Warteschlange, die sich auch noch dann so perfekt durch die Supermarktgänge und Flughafenhallen schlängeln, wenn es ein Dutzend Schalter und Terminals gibt, auf die sie sich verteilen könnte. Meine Vermutung ist ja, dass die Briten heimlich auf einen Eintrag ins Buch der Rekorde trainieren... aber das nur so...

Ebenso "nur so" und neben bei, kann ich berichten, dass die Radioshows komisch sind. Ich meine deren Stil haben wir von denen übernommen, aber dass die sich zum Teil mit ein- oder sogar zweistündigen Dialogen "bespaßen" ist für mich zu viel. Ich brauche meine 10 bis 15 Minuten Nachrichten in der Stunde und Musik sonst komm ich doch morgens nicht aus dem Bett! Gut die Werbung ist geschenkt. Wenn das sonstige Programm kostenlos in meine Stube geschwebt kommt, dann soll's erlaubt sein, aber der Rest bitte in extenso!

Überhaupt ist deren Marketing anders als unseres. Gut, wozu will ich, dass alles gleich ist?? Nein, ganz im Gegenteil - deren Strategien sind legitim, vor allem wenn sie mir Geld sparen. Arme Studenten wie ich leben schließlich von der Hand in den Mund. Bei uns weiß man, dass die Preise im Rhythmus der Jahreszeiten steigen und sinken und dass die meisten Angebote fadenscheinig und unseriös sind. Das mag bei denen auch so sein, aber die kleistern einen nicht mit Sonder-Werbe-Zeitungseinlagen zu, sondern mit Coupons und Rabatten als Hefte und sogar in Kalendern. Und sie schleudern damit nur so um sich: sparen Sie £100, £150, £300 ...! Das Merkwürdige ist, dass das nicht mal gelogen ist: Gut, zugegeben £150 auf 20 Coupons zu verteilen, wo man dann trotzdem jeweils noch was bezahlen muss, ist schon fast hinterhältig. Aber das Studentenangebot (Achtung: Schleichwerbung!) MS-Office Ultimate für £40 statt für ca. 500€, ist da dann doch schon ein Hammer (1€ = £1,25) .



Mal zurück zu den Bussen: Wenn sie voll sind, fahren Sie an einem vorbei und wenn sie leer sind, man sie aber nicht an die Haltestelle ranwinkt, fahren sie ebenfalls weiter. Nachdem ich beides zusammen mit drei Dutzend anderen Studenten eine Stunde lang an verschiedenen Bussen ausprobieren durfte, nehme ich jetzt den Bus eine Stunde eher als nötig, um zur Uni zu kommen. Das hat den Vorteil, dass ich mir dann im Campus-internen Supermarkt noch eine Zeitung kaufen kann (ich bevorzuge "The Times" im Studentenangebot für 25p statt 80p, obwohl ich mir auch gerne "The Independent" in Farbe und mit einem Extra (Kaffeebecher, 1l Limo,…) für 40p statt £1 andrehen lasse), welche ich dann bei einem Cappuccino in aller ruhe durcharbeite. Was ungewöhnlich ist, denn ich bevorzuge eigentlich Online-Nachrichten. Aber englische Zeitungen sind nur halb so groß wie deutsche, was es einfacher macht sie zu falten und zudem sind die Artikel wesentlich kompakter und angenehmer zu lesen (wenn man mal vom Fremdsprachaspekt absieht).

Cappuccino übrigens deswegen, weil Tee am Morgen mich nicht vom Hocker haut und Engländer trotz Espresso-Maschine keinen vernünftigen, "echten" Kaffee zu Stande bringen.

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