Busfahrten sind fürchterlich unspektakulär und lang. Zumindest sind sie länger als ein Flug oder eine Zugfahrt und für die meisten Leute, aufgrund mangelnder Bewegung, zu lang. Einzig der Gebrauch eigener Muskelkraft ist wohl langsamer, was alles in einem wahrscheinliche die Gründe sind warum Busfahrten so unbeliebt sind. Aufwerten können dies nur Unfälle, die eine solche Fahrt (sicherlich) spannender und kürzer gestalten können.
Ein solcher Unfall sorgte dafür, dass mein Bus nicht durch den Tunnel auf die Britische Insel gelangen konnte, sondern die Fähre nehmen musste. Ein Umstand, der mir nach 14 Stunden strammen Sitzens entgegenkam, denn die sich abwechselnden Busfahrer hielten nicht mal an roten Ampeln, sondern ausschließlich um Mitfahrer aufzunehmen oder abzusetzen. Auf der Fähre wahren Sie nun also gezwungen ihren gebeutelten Gästen Freigang zu gewähren.
Mit Salz in der Lunge und einen leisen Bilschgeruch (nicht "Bitsh"!) in der Nase, kann man sehr melancholisch werden. Auf einem Schiff zu stehen - und wenn es nur eine Nussschale ist - ist für mich immer wieder etwas Besonderes: Der nahezu heilige Kontakt mit der See macht einen einerseits klein und unbedeutend, angesichts der gewaltigen Naturgewalt Meer, andererseits findet man sich in der Einsamkeit von Dunkelheit (und es war dunkel!) und Meeresrauschen auch selbst wieder.
Aber vielleicht hatte ich auch nur Panik vor den nächsten 10 Monaten. Wer weiß?
Die englische Küste kommt in Sicht
An der Victoria Coach Station begann dann das Ratespiel - nicht nur meines: Auch die Busfahrer wussten nicht wohin es ging! - und irgendwie schaffte ich es ohne Ortskenntnisse oder Karten zur Victoria Station in die Tube zu kommen und mir ein Ticket zu lösen. Zudem ließ ich mir sagen, dass ich mit meinem Riesenkoffer nicht überall hin konnte, sondern die Sondereingänge zur Underground nehmen musste. Eine Ansprache, die mich nur erschöpft lächeln ließ, angesichts der verzweifelten Lage fehlender Einrichtungen für Behinderte: es gibt in London weder Lifts noch Rampen in den U-Bahn-Stationen!
Liebe Leute, lasst euch sagen, wie schön die behindertengerechten deutschen Bahnhöfe sind. Wer auch immer sich die Qual antun möchte in London durch die veralteten Tunnel der Tube zu schleichen und einen 80cm hohen Koffer mit sich schleppt, sollte nochmal darüber nachdenken und sich lieber für zwei kleine Koffer und einen großen Wanderrucksack entscheiden. Das macht die Sache mit den vielen Stufen sehr viel einfacher!
Endlich im Heathrow Airport angekommen, um am vereinbarten Treffpunkt abgeholt zu werden, hieß es erstmal lange Weile schieben. Ich besorgte mir erstmal einen Cappuccino und einen Muffin, unterhielt mich mit einem Chinesen über Deutschland (auf Englisch) und stellte verdutzt fest, dass es im gesamten mir zugänglichen Bereich nur EINE Mülltonne gab (gut versteckt in einer Nische).
Aber die Überraschungen endeten nicht. Erst hatte die Uni keine aktuelle Liste auf der meine Unterkunft stand (die Adresse hatte man mir auch nicht gegeben) und in der Wohnung waren weder Bett-, noch Küchenutensilien. Das hatte ich nicht erwartet! Hatte es im Prospekt doch geheißen, dass man diese sperrigen Sachen vor Ort über einen Studenten-Service sich geben lassen konnte! So musste ich die Vorführwäsche der Vorführappartments borgen, um in meiner ersten Nacht in der neuen Wohnung nicht frieren zu müssen. Geil!
Der Kerl, der mir dann noch Klopapier und Orangen-Zucker-Konzentrat (zu mischen 1/10 mit Wasser) verkauft hat, hat dann auch direkt hinter mir seinen Laden zugeschlossen. Wer pünktlich schließt, kommt pünktlich nach Hause.
Entgegen meiner Überzeugung, sich im Ausland wie die Einheimischen zu ernähren, habe ich mir aus lauter Verzweiflung zwei Pizzen zum "buy 1 - get one free"-Sonderangebot gekauft, was sicherlich besser als nichts ist, wenn man weder Besteck noch Geschirr hat.
Jetzt hatte ich also mein erstes eigenes englisches Abendbrot bestehend aus O-Wasser mit Hawaii und zum Frühstück Kaffee (dank meiner Freunde und guter Grundausstattung der Küche) mit Mageriota. Lecker!
Alles Weitere am zweiten Tag.
2 Kommentare:
Das macht doch Freude auf mehrere Abenteuer von dem K. aus D.
Ich habe mitbekommen, dass es einen Tunnelbrand gegeben haben soll... daher die Überfahrt mit der Fähre, was aber wie beschrieben von Dir, Freiraum zu haben von der Busfahrt um sich die Beine zu vertreten, oder sich zu fragen,
"Welches Abenteuer erwartet mich dort am Horizont...?"
Ich freue mich schon auf weitere Abenteuergeschichten von Dir.
Lieben Gruß
Sebastian
Yeah!
What a trip! Why didn't you fly? And what is a 'Bilschgeruch'??
CU
Kommentar veröffentlichen