Sonntag, 5. Oktober 2008

Geht mal wieder in's Kino!


"He morphs from a loner
into a perfectly oiled
Swiss army knife
"

Diese Zeilen aus der Times (No. 69438, S. 17) vom Do. den 25. Sept. machten mich neugierig auf die Kinokritiken des englischen Redakteurs James Christoph. Was sich amüsant lesen lies, war allerdings alles andere als nett, denn der gute Mann lies an keinem der fünf neuen Filme auch nur ein gutes Haar.

"Taken" 3/5 Sterne
"Righteous Kill" 2/5 Sterne
"Alexandra" 3/5 Sterne
"Death Race" 1/5 Sterne
"Redbelt" 2/5 Sterne

Ich hatte mir schon gedacht, dass Death Race nicht mehr als ein Blechschaden auf Zelloloid sein konnte, aber Filme wie "Taken" (dt. Titel: "96 Hours") mit Liam Neeson in der Hauptrolle und Luc Besson als Drehbuchautoren oder "Righteous Kill" mit Robert De Niro & Al Pacino, deren Drehbuch vom InsideMan-Autoren Russell Gewirtz (der übrigens einen zweiten Teil seines Bankraubfilms angekündigt hat!) konnten so schlecht doch nicht sein. Im Gegenteil!
Heute habe ich mich jedenfalls dazu hinreisen lassen, den Artikel mal zu prüfen. Zumindest zum Teil, denn schließlich kosten Kinokarten hier Pfund - und das sitzt traditionell etwas schwerer in der Börse als der Euro. Ich habe mich also ins neu eröffnete Kino im neu errichteten "Cabot Circus"-Einkaufsmeilen-Irgendwas verirrt und mir eine Eintrittskarte für Taken gekauft. Ein Deal, der sein Geld wert war. Neue Plüschsessel, Teppiche in denen die Füße versinken,wie im Treibsand, unterbezahlte Angestelltem die einem was zu trinken anbieten und den Warteraumsessel für einen heranhohlen und erst dann die Hand aufhalten... Ja, das ist das Leben!
Kostet ja auch nur £5,50 für Studenten, die in der 2. Klasse landen oder £12,00 in der 1. Klasse (dann aber für alle und nicht für alle Filme).

Jetzt aber mal zum Film: Ganz ehrlich, wenn Bruce Willice (geb. 1955) doch mal wieder an Rente denken sollte (wie schon öfter in seinem Leben), hab ich da einen guten Ersatz gefunden. Liam Neeson (geb. 1952 !) ist eindeutig härter. Bruce läuft und tötet neben her die bösen Buben. Neeson stürmt - und dann ist auch schon alles vorbei. Ich schätze dass er im Film um die 60 Menschen getötet hat. Die meisten davon mit bloßen Händen im Forbeigehen, einen hat er gefolltert und Todesrennen fährt er neben bei. Eben ein echtes Multitalent / Schweizer Taschenmesser.
Doch was auf der Leinwand wirklich (!) markellos arrangiert ist, hat auch seine Schatten. Die einen sind gewollt: Zum Ersten sind da immer die nicht ganz so realitätsfernen Bilder von Frauenschlepperbanden, ihren Verstecken und ihren Opfern, die doch nicht so ganz spurlos an einem vorbei gehen. Zum Zweiten aber auch das bedrückende Gefühl, dass er tatsächlich zu spät kommen könnte, um seine Tochter zu retten, die dann an einem dieser Orte, bei einem dieser Typen mehr als nur ihre Unschuld verlieren könnte.
Die andere Art von Schatten ist ein leidiges Thema; eine Kleinigkeit, die mich zum Zähneknirschen bringt. Wo der Film in Stimmung, Aufbau, Handlung und Aktion punktet, sind sämtliche Dialoge für den A****!!!! Und ich meine nicht nur die Dialoge im akustischen Sinne - sprich: die Texte - sondern auch das Arrangement. In der einen Situation zeigen sie die schroffe Wirklichkeit, in der nächsten eine so zuckersüße und aalglatte Welt, dass es weh tut zuzusehen. Zuerst denkt man, das wäre einfach nur arrangiert, um die Unterschiede aufzuzeigen und den Zuschauen mit dem Zaunpfahl eine vors Gesicht zu knallen... lam Ende stellt sich leider heraus, dass das eher das Gegenteil der Fall ist: Der Schuss geht voll nach hinten los.

Liebe Freunde,
tut mir einen Gefallen: geht ins Kino und sagt mir wie die anderen Filme der Liste waren, bevor ich es tuhe, nochmal bereuhe und mich nochmal frustig hinter die Tastatur klemme. - Oder besser noch: tut es nicht und ich auch nicht und wir werden alle auch morgen wieder ruhig schlafen können.
(Hoffentlich.)

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