Sonntag, 16. November 2008

Bildungslückenfüllerkommentar

Der Kabarettist meines Vertrauens hatte es vorgeschlagen und ich konnte mich leichter Bedenken nicht erwehren: Er sagte aus, dass Schulen und Universitäten sich doch von privaten Unternehmen sponsern lassen sollten, um Unterricht und speziell das Lehrmaterial auf ein besseres Niveau zu heben. Die Bedenken von Pädagogen, dass das indoktrinieren von (fremder Firmen) kapitalistischer Weltanschauungen seien, die zum Konsum verführen würden, seien zudem lächerlich, wenn man sich die heutige Jugendkultur betrachten würde, denn diese "laufen rum wie kleine Litfaßsäulen!" (Pispers, 2004: Bis neulich…)
So ganz falsch sind beide Argumente nicht. Die Schulen und Universitäten sind schlecht ausgebaut und können auf lange Sicht (meiner Meinung nach) nicht auf internationaler Ebene mithalten. Die Schulen müssen um jedes Gramm Silicium in ihren Klassenräumen – zum Teil in den Elternhaushalten der Schüler – betteln und Anschaffungen an Universitäten werden nur zögerlich genehmigt. Für Personen, die sich eine Universität nicht vorstellen können: Eine Universität ist wie eine kleine Stadt. Sie braucht Bücher, Gebäude, Lehrpersonal, Forschung, Verwaltung und Diverses anderes. Um dies alles zu versorgen stehen einer Uni verschiedene Geldtöpfe zur Verfügung, die von unterschiedlichen Quellen zu unterschiedlichen Bedingungen und Zwecken gespeist werden. Nun müssen jedes Jahr eine Menge Printmaterialien (Bücher, Zeitungen, Magazine, Statistiken, …) angeschafft werden, damit Forschung und Lehre arbeiten können. Gleichzeitig muss das Personal bezahlt und Gebäude gebaut werden, damit gearbeitet werden kann. Studiengebühren (ein RICHTIG RIESIGER Batzen Geld) sind aber Beispielsweise daran gebunden, dass sie nicht für neue Prunkbauten sondern Beispielsweise neue Overheadprojektoren oder Softwarelizenzen für Studenten ausgegeben werden.
Ich erinnere mich an meine ersten Wochen an der Uni, in der man uns unter anderem auch durch die Bibliothek führte und uns erklärte wie man die Literaturverzeichnisse (s.g. Kataloge) nach geeignetem Fachmaterial durchwühlt. Mein Interesse an diesem Tag gelt den Magazinen. Ich fragte also den Angestellten wie man es anstelle nach allen Artikeln zu einem Bestimmten Thema zu suchen. Oder nach Beträgen in Büchern (Beispielsweise in einem Buch über Parteien in Deutschland das Kapitel über die CDU, weil man jede Menge Material zu eben und ausschließlich dieser Partei sucht). Die Antwort des Angestellten fiel hingegen lapidar aus. Die digitalen und auch im Internet einsehbaren Datenbanken werden von Mitarbeitern der Universitäts- und Landesbibliotheken gefüttert. Es sei schon anstrengend genug die regelmäßig angeschaffte Literatur darin einzufliegen, den Mitarbeitern abzuverlangen auch noch die Inhaltsverzeichnisse der Werke zu digitalisieren sei unzumutbar. Man solle sich dann doch lieber selber Bemühen und Beispielsweise sich durch die Sammlung des Spiegels oder der anderer Magazine wälzen. Das trainiere ja auch die nicht-digitalen Recherchefertigkeiten.
Jetzt sitze ich hier in England und komme mir vor wie im Schlaraffenland! Ich habe Zugriff auf Dutzende von Datenbanken über größtenteils sogar digitalen Inhalten aus der ganzen Welt. Beispielsweise meine Lieblingsdatenbank ist Nexis. Diese Datenbank wird täglich aktualisiert. Man kann nach Themen, Sachgebieten, Sprachen, Zeitungen/Magazinen, Autoren, (Tages-)Datum und vielen mehr suchen lassen und das in allen WELTWEITerscheinenden Zeitungen und Zeitschriften, welche dann auch alle als e-Document direkt aufrufbar sind. Die Suchmaschine um-/erfasst (derzeit) Dokumente, deren Originale bis zu ein Jahrhundert alt sein können! Und sie ist tagesaktuell! Was bedeutet, dass der Artikel aus der SAZ der heute erschienen ist auch gleichzeitig schon in Nexis such- und nachlesbar ist, genauso wie alle Artikel der "le Monde", "the Guardien" und "The LA Times". Und da regen sich so ein paar Bibliothekare über ein paar Dutzend Bücher im Monat auf, wenn Zeitungen doch täglich neu erscheinen.
Worüber ich auch nicht schlecht staunte, war die Werbung die mich erreichte. "The Ultimate StealPack" von Microsoft, welches eine MS-Office Ultimate 2007 Version für schlappe £38,99 (ca. 50,- €) enthielt. Das sind nicht mal ein Zehntel vom Originalpreis (ca. 500,- €). Rechnet euch das mal aus, jeder Student braucht einen Computer für Recherchen, Communication mit der Uni und den Kommilitonen und die zu erledigenden Aufgaben. Dabei kostet der Rechner nicht mal das Meiste. Man ist für gewöhnlich mit 300,- € schon ganz gut dabei. Doch meistens fehlen diese kleinen Extras (z.B. ein Schreibprogramm) die die ganze Sache dann teuer machen oder für qualitative Abstriche sorgen. Wenn man dann geschätzte 450,- € sparen kann, ist man doch schnell dabei!
Im Grunde sieht es wie folgt aus: Die deutschen Gesetze verbieten es, dass Universitäten und Schulen "Sonderangebote" von großen Firmen, wie z.B. Microsoft annehmen können und müssen statt dessen alles selber entwickeln, es von einer staatlichen Institution anfordern oder es (zu)teuer einkaufen, damit der Lernoutput nicht mit unterschwelligen Botschaften verwässert wird.
Wenn es nach mir ginge, nachdem ich das durchaus positive Beispiel "Britannien" kennengelernt habe, müsste diese Vorschrift gelockert werden. Sponsoren: Eindeutig ja! – Aber Werbung: Nein!
Vielleicht sollte man alles was Publiziert wird in einer Bundes- oder sogar Internationalen Datenbank registrieren und diese dann öffentlich einsehbar machen. Lizenzlose Dokumente oder Forschungsberichte werden dann dort auch gleich als e-Document verlinkt und zum Vereinfachen des Zugriffs von Außen und Verkürzen der Suche können dann private Suchmaschinen wie Google oder meinetwegen auch hausgemachte der einzelnen Universitäten sich der Daten bedienen. Die Privaten könnten das Layout ihrer Suchmasken dann auch mal so gestallten, dass man sich in der Sparsamkeit ihrer Eingabefenster nicht ständig verläuft. Denn die meisten Suchmaschinen haben zwar wunderbare Subroutinen, die einem optimale Ergebnisse liefern können, jedoch haben die meisten von ihnen auch einen so diffusen oder undurchsichtigen Seitenaufbau, dass es ein Wunder ist, wenn man mit seinen Sucheingaben tatsächlich das findet was man sucht. Ganz schlimm sind Seiten, die keine Schnellhilfen haben oder nur eine "normale Hilfe" die zu dick zum lesen ist. Das ist Furchtbar!
Vielleicht könnte man ja auch Verträge schließen, die es den Firmen erlauben sich Angestellte direkt aus den Lehrräumen zu akquirieren. Dann wäre es im beiderseitigen Interesse, dass die Ausgebildeten den Stoff richtig vermittelt bekommen. Akademien und die typisch deutsche Ausbildung machen es ja schon halb vor: Dadurch, dass die Studenten/Lehrlinge am Objekt geschult werden, lernen sie wesentlich effektiver und auch intensiver als wenn sie mit reiner Theorie konfrontiert werden. – Man stelle sich eine Ausbildung zum "Fahrzeugtechniker" vor, bei der nur Autos ohne Markennamen, wie VW, BMW oder Opel auf dem Kühler verwendet werden! – Doch abseits der normalen Lehre gibt es bisher leider nur technische und ökonomische Akademien, die diese zweigleisigen Ausbildungen anbieten.
Eine weitere Methode die Lehre ohne Werbung zu verbessern wäre ein Konzept, dass zurzeit hier in England in der Probe ist und an dem ich teilnehmen werde: Studenten gehen als eine Art "Lehrkraftassistenz" in Schulen. Sprich: Anstelle, dass Lehrer alleine gegen dreißig Schüler kämpfen müssen bis sie ausgebrannt in ein soziales Endlager eingeliefert werden müssen, werden sie temporär begrenzt von jungen, unverbrauchten und motivierten Studenten unterstützt. Diese geben umfangreiche Berichte über ihre Erfahrungen an die entsprechenden Stellen ab, die diese Auswerten und damit dann bei der Regierung (bisher erfolgreich) um weitere Gelder beten können und gleichzeitig ihre Aktion wo es nötig ist korrigieren können. Der positiven Effekte: Bessere Identifikation mit dem Lehrpersonal, lockere Atmosphäre, sowie bezahlter und unversteuerter Job für Studenten (£600 für 15 Schultage pro Jahr) der Einblicke in ein mögliches Berufsfeld gibt (Pädagogikstudium ist nicht vorausgesetzt!). Ein Projekt, das meiner Meinung nach nicht nur gut mit Studenten, sondern durchaus auch von Selbstständigen, Arbeitnehmern, Lehrlingen und Sozialdienstleistern durchgeführt werden könnte und nicht nur mit Geldern sondern auch mit Gesetzen gefördert werden müsste. So könnte beispielsweise neben einer adäquaten Bezahlung auch eine Jobsicherheit und sonstige Privilegien zugeschrieben werden.
Aber dies alles sind nur Gedankenspiele. Vielleicht fällt irgendwem noch mehr ein und setzt es vielleicht auch durch…
Bis dahin. Euer Don

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