Donnerstag, 13. November 2008

Schläfer in unserem Land

Der Marshallplan, eigentlich der "European Recovery Program", ist in Deutschland allgemein bekannt. Mit ihm assoziiert man Schlagworte wie "Besatzungsmächte", "Kalter Krieg", "Wirtschaftswunder", … Weiß noch einer was der Wiederaufbau hervorbrachte?
Für die Verwaltung der Gelder (genauer gesagt des Kredites, den man uns anvertraute) gründete man seinerzeit die Kreditanstalt für Wiederaufbau – Kurz: KfW – und hat in den letzten Jahrzehnten den Kredit wieder abbezahlt. Nun ist die KfW Staatlich (80% Bund – 20% Länder) und so ein Haufen von Urlaubsfanatiker haben den Karren in den Dreck gefahren.
Es war ein Donnerstag an dem der Verwaltungsratsvorsitzende verkündete dass zwei Manager der KfW vorläufig suspendiert seien. Sie (und ihre Kollegen) hätten am vorherigen Montag 300.000.000 € fahrlässig versenkt. Anstelle nämlich am davorliegen Freitag ihren Job zu machen und die Kumpel darauf hinzuweisen, dass da noch eine "Terminbuchung" im Computer wartet, die an die schon lange insolvente Lehman Brothers adressiert war, blieben die Herren stumm und mit ihnen der Rat und gemeinsam konnten sie dann zehn Minuten eher ins Wochenende. Reife Leistung. Jetzt haben sie ein extralanges Wochenende. Sie und die Bereichsleiter für Risikocontrolling. Der Verwaltungsratsvorsitzende und sein Stellvertreter machten außerdem deutlich, dass die Krise gebannt wurde. Aber da wussten sie noch nicht was noch kommen würde.
Klar: Mit Lehman brach die Bankengrippe aus. Erst schrie der Britische Premierminister, dann der französische Staatspräsident und die deutsche Bundeskanzlerin schloss die Mundwinkel und sagte: Nein. Die sind schon Groß, die müssen ihre Suppe selber löffeln!
Zwei Wochen später saßen die Größten in Europa an einem Tisch und haben sich beraten. Ergebnis: Staaten geben (unter Sonderkonditionen) Kredite. Coooool! Das gibt Gewinne! Und gelobt wird das ganze zurzeit von den Wirtschaftsweisen. Also haben wir alles richtig gemacht. Das sagen auch der Bundesfinanzminister und der Bundeswirtschafts- und Technologieminister und klopfen sich dabei gegenseitig auf die Schultern. Und damit sie auch keiner vermisst oder vergisst, dass sie wichtige Ämter bekleiden kommen sie gleich mit neuen "guten" Ideen die Wirtschaft anzukurbeln und das deutsche Finanzwesen zu senken. KfZ-Steuerbefreiungen (die nichts bringen), Subventionen und mehr Merkwürdiges. Nicht zu vergessen, dass der Finanzminister mit seinen nicht-deutschen Kollegen auf einer Konferenz verlangte, die schwarze Liste mit den "unkooperativen" Staaten, so genannte Finanzparadiese, um Kandidaten wie die Schweiz zu erweitern. – Man sind die fleißig!!
Nur um mal meine Namensarmut zu korrigieren: Der britische Premierminister heißt natürlich Gordon Brown und kann sich nach seiner Parteirede glücklich schätzen noch auf seinem Stuhl zu sitzen. Einen Deut schlechter und man hätte ihn gnadenlos abgesägt. Eineinhalb Monate danach kann man beobachten, dass seine Kontrahenten ihm keine Krisenschonung mehr lassen und anfangen ihn offen zu attackieren. Die Medien haben wieder ihren Spaß und ich auch.
Nicolas Sarkozy, Staatspräsident von Frankreich. Ein Mensch über den sonst nur die Zeitung mit den vier großen Buchstaben schreibt. Was sicherlich an seinem Eheleben liegt. Immer um den großen Zusammenhalt bemüht. Afrika, Europa, Finanzgipfel… er scheint überall einen großen runden Tisch bei sich zu haben. Da ist er dann mit Angela – "ich komme aus dem Osten, habe Geschmack beim Styling nur mein Styler nicht und habe Physik studiert" – Merkel, unserer geliebten Bundeskanzlerin, in guter Gesellschaft. Diese nämlich glänzt mit ihrer Standhaftigkeit in Sachen "Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden" (Siehe Volker Pispers, 2007: Bis neulich…) in immer wieder unterschiedlichen Varianten.
Aber die drei sind genauso interessant wie Bush Jr zwischen November und Januar.
Interessanter ist die Besetzung bestimmter Ministerposten. Da hätten wir Peer Steinbrück, der deutsche Bundesminister für Finanzen ist kurz davor den Haushalt auszugleichen und führt ein eisenhartes Finanzregiment. Und der Kerl macht da einen wirklich guten Job! Zumindest wenn er nicht gerade den RapPeer mimt (www.i-love-cash.de) oder einem seiner Nebenjobs nachgeht. Z.B. Verwaltungsratsvorsitzendenstellvertreter. In seinem Fall – ratet mal! – bei der KfW. Ja ganz recht! Peer hat mitgeholfen die KfW an die Wand zu fahren. Der Mann ist wohl informiert über internationale Finanzgeschehnisse und es zählt gleich doppelt zu seinem Geschäft solche Dinge zu wissen und zu lenken.
Aber der Mann ist ja nur Stellvertreter. Der Verwaltungsratsvorsitzende heißt mit vollem Namen Michael Glos, ist komatös und nebenberuflich Politiker. Aufgabenbereich: Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. Ja: ganz recht! Der Kerl, der seinen Kollegen Steinbrück lobt und anschließend die Maßnahmen von Hilfspaketen rechtfertigt und verteidigt, deren Bedarf er mit verschuldet hat und augenscheinlich nichts dagegen unternommen hat UND dafür auch noch ganz oben in der Hierarchie hockt, der ist nach wie vor ungeschoren.

Verdammt nochmal! Ich habe mir sämtliche Nachrichten PodCasts runtergeladen, die ich finden konnte, ich lese die Times und ziehe mir die BBC und Sky rein und keiner kommentiert in irgendeiner Weise was Glos und Konsorten da verbockt haben (VOR LAUFENDEN KAMMERAS!!!! IN DER TAGESSCHAU!!!). Entweder es kommt bei mir nicht alles an und sie haben mit Glos schon lange das Highlanderfinale zelebriert. Oder – und das halte ich für eine Sauerei! – weder Medien noch Wirtschaftsmechanismen oder sonstwer stört, was da abgeht.
Nichts! Keine Kritik, kein Garnichts.
Seht's mal so: Ich glaube der Steinbrück ist das Beste, was uns seit langem finanztechnisch wiederfahren konnte. Andererseits ist ein Glos dann aber auch das Schlechteste und vor lauter "CreditCrunsh" (das nennen die hier so!) hat keiner aufgepasst, wer eigentlich wirklich Schuld hatte. Schließlich wissen wir ja alle, dass das nur die Manager waren. Die Spitzenmanager in den Vorstandsetagen, die das Geld aus dem Fenster schmeißen. Vor allem unseres und es dann auch noch wieder von uns zurückverlangen, damit sie es nochmal rausschmeißen können – Macht ja schließlich Spaß!
Wenn ihr den Glos das nächste Mal in der Glotze, auf dem Titelblatt einer Zeitung seht oder als Randnotiz im Radio hört. Dann denkt immer daran, dass der Kerl 300.000.000 € versenkt hat und davon jeder Deutsche (also auch du!) statistisch gesehen rund 3,65 € besessen hat und jetzt nicht nur opfern musste, sondern außerdem auch noch mal zurückzahlen darf. Und das nicht mehr nur für die KfW sondern gleich auch nochmal für BayernLB und Co.
Toll!

Beste Grüße, euer fast explodierter, ….Don

1 Kommentar:

Nigma hat gesagt…

Eine kleine Ergänzung:
Heute hat mich doch tatsächlich eine Kommilitonin angesprochen, wie es mir jetzt gehe, da meine Regierung verkündet habe, dass die deutsche Wirtschaft in der Rezession sei.
...
Ich glaube da ein leichtes Zucken in den Augen gehabt zu haben... und dann alles von sehr weit oben betrachtet zu haben, als ich meinen Standpunkt vertrat...
;)